Hey ich bin grad neu hier und dachte mal ich stell meinen Blog hier rein, um meine literarischen Ergüsse mal einem "Fachpublikum" zu zeigen, denn ich habe leider so viel zu wenig Rückmeldung (ausser aus dem Freundeskreis). Würd mich freuen mal was objektives zu hören.
Der Link auf die Website ist
umsturzworte.wordpress.com und hier mal meine erste dort veröffentlichte Kurzgeschichte:
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ZWANG
Nicht schon wieder. Es überkam ihn immer plötzlich. Der kalte Schweiß trat ihm in sein Gesicht und er fing an zu zittern. Unpassenderweise war nämlich kein Waschbecken mit Flüssigseife und einem sauberen Handtuch in der Nähe. Die gibt es auch selten in diesen Schlangen an Bankautomaten. Eine Bank ist eben nicht bekannt für ihre hygienischen Maßnahmen und auch nicht für die sanitären Anlagen, die man vielleicht zu finden verhofft, sondern für das Geld, was dort auf wenigen Quadratmetern auf Abhebung oder Raubzüge wartete.
Michael, der Name unseres zitternden schweißnassen Nervenbündels, wollte aber gerade jetzt in diesem Augenblick kein Geld abheben, geschweige denn auf einen Raubzug gehen. Diese Gedanken kamen ihm überhaupt nicht in den Sinn, auch wenn er für die Abhebung eigentlich in die Bank gekommen war. Aber genau in diesem jetzt beschriebenen Moment brauchte er kein Geld, er brauchte ein Waschbecken. Leider war sein brauner Trenchcoat nicht in der Lage Seife, Wasser und Handtuch zu sein aber er konnte immerhin Michaels Hände in sich versinken lassen. Panisch blickte er sich um. Kein Waschbecken in Sicht. Warum sollte man in der Bank denn auch ein Waschbecken in der Schlange neben dem Geldautomaten aufstellen? Doch diese Idee kam ihm aber nicht.
Dabei war er doch sonst ein sehr ruhiger Kerl. Mitte 30, und er hörte gerne Beethoven und Mozart. Er liebte sie für ihre Gegensätzlichkeit, diese Wiedersprüchlichkeit, wie man sie vielleicht noch bei Heine und Goethe fand und für die man heute einfach keine Vergleiche mehr zu finden vermochte. Er entspannte sich gerne Abends bei Kerzenlicht und einem Glas Whisky, aber nur dem Alten, so alt wie seine Bücher am besten. Michaels Leidenschaft waren diese alten, zum Teil zerfallenen und muffig riechenden Bücher. In seiner kleinen 40 Quadratmeter großen Wohnung hatte er sich extra eine barock anmutende Bibliothek aufgebaut, eine für private Verhältnisse sehr umfassende bestimmt. Er besaß eine Sammlung alter Handschriften und viele Werke (Originalausgaben zumeist), die Experten, jedenfalls vor allem diejenigen, die sich dafür hielten, zu der bedeutenden Literatur zählen würden.
Auch im Berufsleben drehte sich bei unserem , jetzt in der Bank stehenden und triefnass geschwitzten, Bekannten alles um die Buchstaben auf Papier und Buchdeckeln. Micha, so nannte ihn jedenfalls oder sollte man besser wenigstens sagen, seine kleine Schwester, war Bibliothekar. Aber nicht in einer großen bedeutenden Bücherei oder einem angesehenen Antiquariat, sondern in dieser kleinen Stadtteilbibliothek um die Ecke, die jeder bestimmt schon einmal besucht hatte. Nur leider ließ sich dieser Beruf, den Michael trotz aller Umstände und dem geringen Gehalt so liebte, nicht mit dieser Zwangsneurose, die ihn grad so ins Schwitzen brachte vereinbaren.
Seine Blicke fingen an sich schneller und immer schneller, schon fast wie ein Pendel , von einer Ecke des Raumes in die andere zu bewegen und Halt suchend an einem Sicherheitsbeamten hängen zu bleiben. Michael, getrieben von seiner zwanghaften Sucht, stürmte auf den Wachmann zu. Leider vergaß er oder wollte vergessen seine Hände aus der Tasche zu nehmen. Der Beamte, bedrängt und in die scheinbare Enge getrieben, fühlte sich wohl von Michael und seinen leicht gewellten, dunkel braunen Haaren bedroht, denn ohne groß zu überlegen griff er zu seiner ihm dienstlich zugeteilten Waffe und drückte auf den Abzug. Es war eine Sekunde vielleicht, oder mehr als das, in der jede noch kurz davor ausgeführte Aktion, jeder Gedanke und jede Bewegung in Stillstand zu erliegen drohten. Als Michael schon fast leblos auf den harten Mamorboden, der nebenbei bemerkt noch sehr gut erhalten war und das trotz der vielen tausend Schuhe, die hier jeden Tag umher laufen mussten, noch glänzte wie am ersten Tag, aufschlug konnte er gerade noch flüstern „Und ich müsste da noch meine Hände waschen!“